Portrait Malzers Backstube

Malzers Backstube wurde zum „Besten Arbeitgeber 2017“ gekürt – und zwar von niemand Geringerem als dem Wirtschaftsmagazin Focus Money. In der Kategorie „mittelgroße Unternehmen“ geht Malzers als Preisträger hervor. Denn obwohl das Unternehmen 2500 Mitarbeiter/innen beschäftigt, hat es eines nicht verloren: die Fähigkeit und den Willen, auf jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter persönlich einzugehen.

Es muss nicht immer Schema F sein – als Quereinsteiger/in ins Bäckerhandwerk

Im Ruhrgebiet kommt man an Malzers Backstube nicht vorbei. Das Unternehmen hat 150 Filialen im gesamtem Pott, die zentrale Produktion befindet sich in Gelsenkirchen.

Bekannt ist Malzers für seine Goldbrötchen – und dafür, ein besonders guter Arbeitgeber zu sein. „Viele Mitarbeiter/innen haben eine unheimlich lange Betriebszugehörigkeit. Es gibt einige, die seit zwei Jahrzehnten für uns tätig sind“, weiß Personalleiterin Sandra Eichhorn. Denn gerade Quereinsteiger/innen bekommen bei Malzers die Möglichkeit, ohne große Hürden die Branche zu wechseln. In der Produktion sind es inzwischen fast 40 Prozent der Belegschaft, die über einen Quereinsteig bei Malzers gelandet sind. Im Verkauf machen die Quereinsteiger/innen etwa ein Drittel aus.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels eine willkommene Entwicklung. Wie ist es aber so weit gekommen? Sandra Eichhorn hat eine Theorie: „Wir stellen fest, dass es schwieriger geworden ist, gelernte Kräfte zu finden. Die Ursache dafür liegt meiner Meinung nach in dem gesellschaftlichen Wandel, den wir gerade durchlaufen, und dem Verlust des Interesses am Handwerk.

Wenn wir uns mit Jugendlichen unterhalten, dann hören wir häufig, dass sie mit Ach und Krach ihr Abitur bestehen und auf jeden Fall studieren wollen. Auch wenn ihnen eine theoretische Ausbildung gar nicht liegt. Sie quälen sich durch die Schule und das Studium, wissen aber gar nichts von ihren Möglichkeiten im Handwerk.“

Bäcker/innen wird es immer geben.

Während sich der Nachwuchs heute typischerweise eher zum Studium hin orientiert, finden Leute, die schon im Berufsleben stehen, ihren Weg zum Handwerk. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein.

Marina Bleul ist Bezirksverkaufsleiterin bei Malzers und hat zuvor auch eine klassische Ausbildung gemacht – allerdings zur Mediengestalterin. Zum Bäckerhandwerk ist sie gekommen, weil „die Medienbranche ausgebrannt ist“. Eher zufällig hat sie eine Anzeige in der Zeitung entdeckt: Malzers suchte Verkäuferinnen. Schon im Bewerbungsgespräch wurden mögliche Aufstiegschancen besprochen. Denn dass Marina Bleul eine Bereicherung für Malzers Backstube sein würde, das war allen sofort klar. Durch Schulungen, in denen sie Verkauf, Mitarbeiterkommunikation oder Fördern durch Feedback lernte, formte sich Marina Bleul das nötige Wissen für ihren neuen Berufsweg. Aber nicht nur das hat sie so weit gebracht. „Da waren auch mein Engagement und mein Fleiß, und dass ich die Betriebsabläufe bei Malzers schnell verstanden habe. Doch sicher spielte auch die gezielte Förderung durch meine Vorgesetzten damals eine Rolle.“ Als Bezirksleiterin ist Marina Bleul heute für elf Filialen und etwa 160 Mitarbeiter/innen verantwortlich.

Sandra Eichhorn unterstützt Marina Bleuls Schilderung mit den Worten: „Es bestehen für Quereinsteiger/innen keine schlechteren Karrierechancen als für Mitarbeiter/innen mit einer Ausbildung. Das heißt, es gilt für alle die gleiche Messlatte, und zwar die Beurteilung nach erbrachter Leistung.“ Hier lässt die Personalleiterin auch viel von ihrem früheren Beruf einfließen. Denn auch sie ist als gelernte Pädagogin eigentlich Quereinsteigerin. Daher legt sie viel Wert auf den Wohlfühlfaktor der Mitarbeiter/innen. „Von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern erhalten wir häufig ganz neue Impulse. Sie bringen viel Erfahrung aus ihrem bisherigen Berufsleben mit, und das kann uns nur zuträglich sein. Wir stellen oft fest, dass Mitarbeiter/innen dankbar sind für die Chance, die wir ihnen hier bieten.“

Gleiche Chance für alle!

Quereinsteiger/innen bekommen also nicht nur etwas – sie geben einem Unternehmen auch viel. So auch Sandra Eichhorn. Als Pädagogin hat sie einen besonderen Blick für die Mitarbeiter/innen – Probleme und ihre Konsequenzen kann sie besser nachempfinden und dadurch die passenden Maßnahmen ergreifen.

Wenn sie Bewerbungen sichtet, achtet sie selten auf die Noten. Viel wichtiger sind andere Faktoren. „Eine Bewerbung muss einfach authentisch sein.“ Zudem sollte transparent sein, warum jemand diesen Beruf ausüben möchte. „Warum haben manche Menschen keine Ausbildung? Da steckt häufig Prüfungsangst dahinter oder Angst, weil man nicht so gut lesen und schreiben kann. Auf diese Hintergründe möchten wir gerne Rücksicht nehmen und nicht wie im Schulsystem die Schraube andrehen und erwarten, dass auch hier eine Prüfung absolviert wird.“ Diese Herangehensweise ist es, mit der Sandra Eichhorn an allen Ecken gewinnt: Zum einen bringt sie ihr Unternehmen weiter, zum anderen bietet sie denjenigen eine Chance, die sonst durch das Raster fallen würden.

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Ausbildung im Schnelldurchlauf

Auch Frederike Knehans und Natascha Lingk sind als Quereinsteigerinnen ins Unternehmen gekommen

Beide haben neben dem Studium als Aushilfen im Verkauf gearbeitet. Und beide kamen an den Punkt, an dem sie gemerkt haben, dass sie das Studium nicht erfüllt, dass der Nebenjob viel mehr Spaß macht als die Stunden in der Universität. Frederike hat sich für die Ausbildung zur Bäckerin entschieden, Natascha ist Fachfrau für Systemgastronomie geworden. Schon vor Ausbildungsbeginn haben sich beide über ihre Karrieremöglichkeiten informiert. Natascha beispielsweise hat sich für die Systemgastronomie entschieden, da diese Ausbildung bei Malzers darauf ausgelegt ist, eine verantwortungsvolle Position als Filialleiter/in zu übernehmen.

Um eine Ausbildung zu beginnen, haben beide zuerst mit ihren Vorgesetzten gesprochen. Die wiederum haben sich mit der Ausbildungsleitung unterhalten und alle an einen Tisch gebracht. „Natürlich gab es Vorteile durch den Aushilfsjob, da man das Unternehmen und die Abläufe ja schon kannte.“ Geschenkt wurde Frederike und Natascha aber nichts. Ein Bewerbungsgespräch und einen Einstellungstest mussten sie trotzdem durchlaufen. Ihr Studium hat ihnen durchaus etwas gebracht, obwohl sie sich letztlich dagegen entschieden hatten. Natascha hat für ihre Ausbildung gerade einmal anderthalb Jahre gebraucht. Das erste Jahr konnte sie komplett überspringen – die Kompetenzen hatte sie schon durch ihren Aushilfsjob erworben. Ihre Abschlussprüfung konnte sie ebenfalls um sechs Monate vorverlegen.

Nicht nur Quereinsteiger/innen sind bei Malzers gut aufgehoben. Auch ganz „klassische“ Azubis dürfen in einem Unternehmen wachsen, bei dem es immer gerne „ein bisschen mehr“ sein darf. Das zeigt sich in den Zahlen. Anfang August sind 70 neue Azubis an den Start gegangen. Malzers bildet sie in fünf Ausbildungsberufen aus:  Bäcker/in, Fachverkäufer/in Lebensmittelhandwerk, Industriekauffrau/mann, Fachfrau/mann Systemgastronomie und Fachkraft Lebensmittelindustrie. „Für die Azubis haben wir eine Ausbildungsbetreuerin und einen Ausbildungsbetreuer, die keine andere Aufgabe haben, als sich um die Anliegen der Azubis aller drei Lehrjahre zu kümmern. Da werden fachliche Themen genauso geklärt wie auch persönliche Probleme.“

Sandra Eichhorn bringt das Besondere an Malzers Ausbildungskonzept gleich auf den Punkt: Die Betreuerin und der Betreuer sind selber Bäcker bzw. Konditorin. Somit sind sie auch bei fachlichen Anliegen die richtige Anlaufstelle. Aber auch bei wirklich privaten Themen, etwa bei Problemen mit der Wohnung oder einer ungeplanten Schwangerschaft, können sich die Azubis an ihre Betreuerin oder ihren Betreuer wenden. Ihnen wird klar vermittelt:

Wir sind rund um die Uhr für euch erreichbar!

Zudem profitieren die Azubis von weiteren Angeboten: Es gibt Prämien, die bei besonders guten Leistungen gezahlt werden, monatliche Azubitreffen, Azubiprojekte, die die Nachwuchskräfte selbstständig planen und umsetzen, und regelmäßige Feedbackgespräche.

All diese Maßnahmen sowie die Aus- und Weiterbildungen für Quereinsteiger/innen kosten das Unternehmen natürlich zusätzliches Geld. Warum man das macht, auch dafür hat Sandra Eichhorn die passende Antwort: „Es lohnt sich. Es lohnt sich, Menschen eine Chance zu geben. Es lohnt sich, Menschen einzuladen, Teil eines Teams zu sein. Und es lohnt sich, im Handwerk zu arbeiten.“

Und los geht's ...

Tipps für den Quereinstieg

Mach ein Praktikum oder fang erst mal mit einem Aushilfs- oder Ferienjob an! So erfährst du ganz schnell, ob dir die Arbeit im Bäckerhandwerk Spaß macht und ob du darin für dich Perspektiven siehst. Du kannst direkt bei einem Betrieb deiner Wahl anfragen, oder schau auf dem Stellenfinder des Bäckerhandwerks nach freien Plätzen und Jobangeboten:
Zum Stellenfinder

Informiere dich über die Berufe, die einzelnen Tätigkeiten und darüber, was man nach dem Einstieg noch alles im Bäckerhandwerk erreichen kann. Hier findest du in der Übersicht die wichtigsten Infos:
Infor zum Beruf als Bäcker/in
Infos zum Beruf Bäckereifachverkäufer/in

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten der Quereinstieg bietet und was du bei deiner Bewerbung speziell beachten kannst, erfährst du hier:
Infos zum Quereinstieg

Tipps für Betriebe

Lassen Sie sich von den vorgestellten Wegen des Quereinstiegs inspirieren und entwickeln Sie daraus individuelle Maßnahmen, die zu Ihrem Unternehmen passen, denn jeder Betrieb ist einzigartig.

Bieten Sie Praktika, Schnuppertage oder auch Aushilfs- und Ferienjobs an! Auf diese Art können Sie Quereinsteiger/innen auf das Bäckerhandwerk aufmerksam machen und erfahren gleichzeitig, welche potenziellen Kandidaten/innen zu Ihrem Betrieb passen könnten.

Kommunizieren Sie Ihr Angebot nach außen! Werben Sie mit Plakaten und Flyern, auf Ihrer Website und Ihren Social-Media-Kanälen oder auch durch einen Messeauftritt. Zeigen Sie, welche Chancen Ihr Betrieb für Quereinsteiger/innen bietet.
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Wie Sie Ihre offenen Stellen eintragen können und welche Angebote es zu den Themen Nachwuchs und Quereinstieg außerdem gibt, erfahren Sie hier:
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